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Vollbremsung durch den Bordcomputer
Im neuen Nissan-Top-Modell Cima
etwa überwacht die Elektronik wie in der S-Klasse oder im 7er BMW den Abstand
via Radarsensoren, zum Vordermann. Während sich der Assistent jedoch bei Mercedes
und BMW bei einer schnell schwindenden Distanz mit einem Warnsignal bemerkbar
macht, greift die Elektronik im Cima weiter in das Sicherheitsmanagement des
Fahrzeuges ein: Im ersten Schritt wird der Fahrer optisch und akustisch nur
gewarnt. Verringert sich der Abstand dann weiter, spannt der Bordrechner vorsichtshalber
die Sicherheitsgurte. Reagiert der Fahrer auch jetzt nicht, wird automatisch
eine Vollbremsung eingeleitet.
Zwar könne und wolle man den Auffahrunfall
damit nicht völlig vermeiden, heißt es dazu bei Nissan in Neuss. Doch zumindest
könnten Unfallschwere und Verletzungsrisiko so deutlich gesenkt werden.
Offenbach – Das weltweit erste
Collision Mitigation Brake System (CMS) wurde jetzt von Honda präsentiert.
Dieses System greift nicht nur im Zweifelsfall in Bremsmanöver ein sondern
kann sogar Auffahrunfälle vorhersehen und senkt dadurch die Gefahr für die
Passagiere auf ein Minimum. Ziel dieses Systems ist es, es gar nicht zu einer
Kollision kommen zu lassen sondern schon vorher alle nötigen Gegenmaßnahmen
automatisch einzuleiten. So berechnet dieses System die Wahrscheinlichkeit
einer Kollision auf Grund der Fahrbedingungen, der Distanz zum voraus fahrenden
Fahrzeug und der relativen Geschwindigkeit. Das CMS gibt dem Fahrer dann sicht-
und hörbare Warnsignale, damit dieser entsprechend der Situation reagiert.
Falls es nötig wird, greift das CMS dann selbstständig ein, um Kollisionen
zu verhindern.
Dieses System ist allerdings keine
Zukunftsvision mehr sondern ist jetzt schon serienreif und im neuen Honda
Inspire auf dem japanischen Markt erhältlich. Kombiniert wird das CMS außerdem
mit dem „E-Pretensioner“- Gurt-straffermechanismus, der den Gurt bei einem
drohenden Unfall strafft. So werden die Insassen schon vor dem Aufprall fest
an den Sitz gepresst, was einen entscheidenden Sicherheitsvorteil zu bisherigen
Gurtstraffern bedeutet, die erst nach der Kollision aktiv werden. CMS und
„E-Pretensioner“ arbeiten mit einem Millimeterwellenradar, welches Fahrzeuge
in einem Umkreis von 100 Metern erkennt. Zur Ermittlung der Wahrscheinlichkeit
eines Aufpralls wird die Distanz zwischen den Fahrzeugen sowie die relative
Geschwindigkeit als auch die erwartete Strecke berechnet. Kommt das System
zu dem Schluss, dass eine Kollision wahrscheinlich ist, so ertönt ein Warnton
und die Meldung „BRAKE“ erscheint auf dem Informationsdisplay im Cockpit.
Sollte der Fahrer nicht auf diese Warnung reagieren und die Distanz zwischen
den beiden Fahrzeugen nimmt weiter ab, so bremst das CMS das Fahrzeug leicht
ab. Zusätzlich wird der Fahrer durch leichtes mehrmaliges Straffen des Gurtes
aufgefordert, die Distanz zum voraus fahrenden Fahrzeug zu erhöhen. Betätigt
der Fahrer jetzt die Bremse, so interpretiert das System dies als eine Notbremsung
und aktiviert automatisch die Bremshilfefunktion zur Reduzierung der Aufprallgeschwindigkeit.
Reagiert allerdings der Fahrer auch auf diese Warnungen nicht und kommt das
System zu dem Schluss, dass eine Kollision unvermeidlich ist, strafft der
„E-Pretensioner“ den Gurt so stark, dass er auch bei locker sitzender Kleidung
effektiv wirkt. Gleichzeitig aktiviert das CMS die Bremsen um die Aufprallgeschwindigkeit
so gering wie möglich zu halten.
Der „E-Pretensioner“ ist so ausgelegt,
dass er immer reagiert, sobald der Fahrer plötzlich bremst. Somit wird auch
in solchen Fällen die Bremshilfe und der Gurtstraffer aktiviert, in denen
das CMS keinen Aufprall vorhergesehen hat um immer die bestmögliche Bremswirkung
und die höchste Sicherheit für die Passagiere zu gewährleisten. Honda betrachtet
das Thema Sicherheit als eines der wichtigsten in der Automobilindustrie und
ist deshalb schon seit langem in verschiedensten Bereichen der Sicherheitstechnik
engagiert. So wird von Honda z.B. die Forschung und Entwicklung im Bereich
der „Honda Pre-crash Safety Technologies“ stark vorangetrieben. Diese Technologie
soll Kollisionen vorhersehen und ihre Auswirkungen auf ein Minimum reduzieren.
Das Collision Mitigation Brake System und der „E-Pretensioner“ sind das erste
Stadium der praktischen Anwendung dieser Technologie.
Honda hat ebenfalls einen entsprechenden
Bremsassistenten mit erweitertem Aufgabenbereich neu im Programm. Wenn dort
bei moderatem Tempo die Aufmerksamkeit nachlässt und der Wagen von der Ideallinie
abkommt, wird er künftig zum Beispiel vom Honda Lane-Keeping Assist (LKAS)
wieder auf den richtigen Kurs gebracht, sagt Unternehmenssprecher Alexander
Heintzel. Dafür sorgt eine winzige Kamera, die permanent die Fahrbahnmarkierungen
beobachtet und im Zweifelsfall einen Steuerbefehl an die elektronisch kontrollierte
Lenkung weitergibt.
Rückwärts-Einparken ein Computerspiel...
Die gleiche Technik nutzt Toyota
gemeinsam mit einer Reihe weiterer Umfeldsensoren für die wohl bislang anspruchsvollste
Kommando-Aufgabe der Elektronik. Denn im neuen Hybrid-Modell Prius soll der
Bordrechner dem gestressten Autofahrer nach Angaben der Presseabteilung in
Köln sogar das Rückwärts-Einparken abnehmen.
Den europäischen Kunden bleiben
diese Systeme nach einhelliger Aussage der drei Unternehmen erst einmal vorenthalten.
Zum einen sei es technisch sehr kompliziert, die elektronischen Assistenzsysteme
auf die völlig anderen Verhältnisse beispielsweise auf österreichische
Autobahnen einzustellen; zum anderen weisen die Entwickler darauf hin, dass
viele Komponenten wie etwa der elektronische Lenkeingriff in Europa nicht
zugelassen seien.
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