Notruf beim Pannendienst:
Am Großglockner hatte ein Autofahrer Bremsprobleme. Schreckensbleich erzählt er, dass plötzlich die Bremse versagte und dass er das Bremspedal bis zum Boden durchdrücken konnte. Der Wagen wurde immer schneller! Ich konnte nicht mehr stehen bleiben, ein kleiner Weg bergauf war meine letzte Rettung!
Als Pannenfahrer erlebte ich immer wieder solche Geschichten. Heiß gefahrene Bremsen und siedende Bremsflüssigkeit waren die Ursach für die meisten Bremsversagen.
Ich selbst wurde sogar einmal
Opfer meiner Nachlässigkeit und dass auf ebener gerader Strecke.
Ich war auf der Autobahn in Wien mit meinem alten Opel Kadettunterwegs. Die
Bremsflüssigkeit wurde die letzten 3 Jahre sicherlich nicht mehr gewechselt...wozu
auch, schließlich bin ich ja Mechaniker Meister und nur im Flachland
unterwegs wo ein Überhitzen der Bremse sogut wie ausgeschlossen ist.
Fataler Irrtum!... Eine Verkettung unglücklicher Umstände ließ
die Bremsbacken festrosten. Absolut unbemerkt schleifte meine hintere rechte
Bremse über mehrer Kilometer auf der Autobahn und heizte damit die Bremsflüssigkeit
im Bremszylinder soweit auf, dass diese zu sieden begann. In der Abfahrt zur
A22 wollte ich dann bremsen. Vergebens. Durch die siedende Bremsflüssigkeit
waren Luftblasen im Bremssystem entstanden, das Bremspedal ließ sich
bis zum Boden durchtreten. Da wurde ich zum ersten mal Kreidebleich. Nach
mehreren Bremsversuchen bei denen durch schnelles aufeinanderfolgendes Pumpen
mit dem Bremspedal mehr Flüssigkeit in das Bremssystem gepresst wird,
bekam ich nach und nach wieder etwas Bremsdruck.
Was war nun technisch gesehen
passiert:
Bremsflüssigkeit ist Hygroskopisch, d.h. sie ist in der lage, Wasser
aufzunehmen. Neue Bremsflüssigkeit hat einen Siedepunkt zwischen 200°C
und etwa 260 °C. Um so mehr Wasseranteile mit der Zeit nun in der Bremsflüssigkeit
vorhanden sind, um so mehr sinkt die Siedebeständigkeit. Überhitzen
die Bremsen durch eine Bergfahrt oder einen technischen Defekt, können
an den Bremsscheiben Temperaturen bis zu 800°C (rotglühend) auftreten.
Diese Hitze strahlt dann auf die Bremszylinder aus und die Bremsflüssigkeit
erwärmt sich bis zum Sieden. Dampfblasen entstehen. Will der Fahrer nun
Bremsen, drückt er lediglich heiße Luft zusammen. Die Bremswirkung
bleibt aus.
Damit Ihnen das niemals passiert:
Lassen Sie alle zwei Jahre (oder laut Serviceheft) die Bremsflüssigkeit wechseln.
Je älter sie ist, desto mehr Wasser enthält sie und ihr Siedepunkt sinkt.
Legen Sie bergab rechtzeitig den 2. oder sogar den 1. Gang ein. So übernimmt
der Motor die Hauptarbeit. Schalten Sie keinesfalls in den 3. oder 4. Gang
hoch! Nie mit der Kupplung bremsen! Manche Fahrer fahren zwar mit niedrigem
Gang, treten aber zwischendurch die Kupplung, um etwas schneller zu werden.
Die Kupplungsscheibe kann brechen.
Wählen Sie bei Automatik Stufe 1 oder 2. Mit »D« würden Sie immer schneller.
Heißgebremst? Keine Wirkung? So wenden Sie die Katastrophe ab: Mehrmals schnell per Pedal »nachpumpen«. Das komprimiert die Dampfblasen. Wichtig: anschließend draufbleiben, unbedingt den Pedaldruck halten! Handbremse ziehen. Wenn das nicht hilft: niedrigeren Gang notfalls gewaltsam reinwürgen. Flucht in einen Seitenweg. Oder per »Blechbremse« an Mauern, Felswänden oder Planken entlangschrammen.



